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Physiotherapie

Achillessehnenruptur (= Achillessehnenriss)

Die Achil­les­seh­ne ist die kräf­tigs­te Seh­ne im mensch­li­chen Kör­per. Ein Achil­les­seh­nen­riss wird über­wie­gend durch ein in­di­rek­tes Trau­ma beim Sport ver­ur­sacht. Grund da­für sind enor­me Zug­kräf­te, wie sie beim An­satz zum Sprint, beim Ab­sprin­gen oder beim Auf­kom­men nach ei­nem Sprung im Vol­ley­ball oder beim Tur­nen und beim schnel­len Rich­tungs­wech­sel im Squash vor­kom­men kön­nen.

Fast im­mer liegt bei ei­nem Achil­les­seh­nen­riss je­doch ei­ne Vor­schä­di­gung der Achil­les­seh­ne vor. Zum ei­nen führt ei­ne Über­be­an­spru­chung der Seh­ne beim Sport zu Mi­kro­ver­let­zun­gen in der Seh­ne, die sich bei un­zu­rei­chen­der Ru­he­pha­se nicht re­ge­ne­rie­ren kön­nen und die Seh­ne schwä­chen. Bei er­neu­ter (evtl. auch ge­rin­ger) Be­las­tung kann es so schnell zu ei­nem Achil­les­seh­nen­riss kom­men. Zum an­de­ren kann die Seh­ne auf­grund al­ters­be­ding­ter de­ge­ne­ra­ti­ver Ver­än­de­rung vor­ge­schä­digt und so­mit an­fäl­li­ger für ei­nen Riss sein.

Nur sehr sel­ten sind äu­ße­re Ge­walt­ein­wir­kun­gen der Grund für ei­nen Achil­les­seh­nen­riss.

Sym­pto­ma­tik

Oft ge­ben die Pa­ti­en­ten ei­nen laut hör­ba­rer Knall („Peit­schen­hieb“) mit so­fort ein­schie­ßen­den, ste­chen­den Schmer­zen ober­halb der Fer­se an. Das Ge­hen ist er­schwert und der Ze­hen­stand nicht mehr mög­lich. Es kommt zu ei­ner Schwel­lung an der Rück­sei­te des Sprung­ge­lenks und der Wa­de. Im Seh­nen­ver­lauf ist oft ei­ne Del­le ober­halb der Fer­se auf Hö­he der Seh­nen­durch­tren­nung zu tas­ten und es tritt evtl. ein Blut­er­guss ober­halb der Fer­se auf.

Dia­gnos­tik

Sie be­steht zu­nächst in der kör­per­li­chen Un­ter­su­chung. Die Del­le auf Hö­he der Seh­nen­durch­tren­nung ist tast­bar. Der ein­bei­ni­ge Ze­hen­stand ist nicht mehr mög­lich. Bei Kom­pres­si­on der Wa­de kommt es nor­ma­ler­wei­se zu ei­ner Be­we­gung des Fu­ßes. Bei der ge­ris­se­nen Achil­les­seh­ne fehlt dies ("po­si­ti­ver Thomp­son-Test").
  • Rönt­gen Dies soll­te er­fol­gen zum Aus­schluss ei­ner knö­cher­nen Ver­let­zung, be­son­ders ei­nes Aus­ris­ses der Achil­les­seh­ne.
  • Ul­tra­schall (So­no­gra­phie): Da­bei kann die ge­nau­en Lo­ka­li­sa­ti­on des Ris­ses und der Ab­stand der bei­den frei­en Seh­nen-En­den zu­ein­an­der be­stimmt wer­den.
  • MRT-Un­ter­su­chung: Bei un­kla­rer Sym­pto­ma­tik, z.B. bei ei­nem Teil­riss,  kann ei­ne MRT-Un­ter­su­chung ("Kern­spin­to­mo­gra­fie") die Dia­gno­se end­gül­tig si­chern. The­ra­pie

Be­hand­lung

Kon­ser­va­tiv

Die Vor­aus­set­zung ist, die Seh­nen-En­den las­sen sich durch Spitz­fuß­stel­lung (= Plant­ar­fle­xi­on) zu­sam­men­brin­gen (im Ul­tra­schall nach­weis­bar). Die ma­xi­ma­le Spitz­fuß­stel­lung muss durch ei­ne Or­the­se (z.B. Va­co-Ped) kon­se­quent für min­des­tens für 4 Wo­chen ge­hal­ten wer­den. In die­ser Zeit darf der Fuß nicht ein­mal aus die­ser Stel­lung ge­führt wer­den. Nach 4 Wo­chen kann die Spitz­fuß­stel­lung in der Or­the­se lang­sam re­du­ziert wer­den. Die Or­the­se soll­te für 6 - 8 Wo­chen ge­tra­gen wer­den.

Die kon­ser­va­ti­ve Be­hand­lung ist sehr gut ge­eig­net für äl­te­re Pa­ti­en­ten mit er­höh­tem Ri­si­ko für ei­ne Ope­ra­ti­on oder für ei­ne schlech­te Wund­hei­lung (z.B. Dia­be­ti­ker). Nach­teil ist ei­ne ge­häuf­te Ra­te an Re­rup­tu­ren (d.h. die Seh­ne reisst er­neut) und häu­fig ei­ne leich­te Kraft­min­de­rung in der Wa­de.

Ope­ra­tiv

Mi­ni­mal-in­va­si­ve-Tech­nik

Dies ist un­ser be­vor­zug­tes Ver­fah­ren. Über klei­ne Haut­schnit­te wer­den durch den obe­ren und un­te­ren Seh­nen­stumpf kräf­ti­ge Fä­den un­ter der Haut durch­ge­führt. Beim An­zie­hen die­ser Näh­te le­gen sich die Seh­nen­s­tümp­fe si­cher an­ein­an­der. Die Rup­t­ur­stel­le der Achil­les­seh­ne wird nicht er­öff­net. In der Seh­nen­schei­de hat sich nach dem Seh­nen­riss ein Blut­er­guss ge­bil­det wel­cher wich­tig für die Hei­lung ist (Blut ist der Kleb­stoff des Kör­pers). Da­durch sind die Be­din­gun­gen für die Seh­nen­hei­lung op­ti­mal. Bei kon­ser­va­ti­ver Be­hand­lung ist die Ge­fahr, durch ei­ne fal­sche Be­we­gung des Fu­ßes die Seh­nen­s­tümp­fe aus­ein­an­der zu zie­hen. Dies ist durch die ein­lie­gen­den Näh­te nicht mehr mög­lich. Die Nach­be­hand­lung er­folgt eben­falls mit ei­ner Or­the­se für 6 Wo­chen wo­bei nach 4 Wo­chen die Spitz­fuß­stel­lung re­du­ziert wird.

Kom­pli­ka­tio­nen sind in Ein­zel­fäl­len ei­ne Ner­ve­nir­ri­ta­ti­on durch die Näh­te und ei­ne Wund­hei­lungs­stö­rung im Be­reich der Stichin­zi­sio­nen. Die Ra­te an Re­rup­tu­ren ist im Ver­gleich zum kon­ser­va­ti­ven Vor­ge­hen deut­lich re­du­ziert, das Ri­si­ko für ei­ne Wund­hei­lungs­stö­rung im Ver­gleich zum of­fe­nen Ver­fah­ren eben­falls mi­ni­mal. Aus die­sem Grund emp­feh­len wir bei sport­lich ak­ti­ven Pa­ti­en­ten die­ses Ver­fah­ren.

Of­fe­ne Ope­ra­ti­on

Stan­dard­ver­fah­ren ist bei gro­ßer Dis­tanz der frei­en Seh­nen-En­den, die ein selbst­stän­di­ges Hei­len der Seh­ne nicht er­mög­licht, die of­fe­ne Seh­nen­naht. Bei schlech­ter Seh­nen­qua­li­tät (z. B. de­ge­ne­ra­ti­ve Vor­schä­di­gung) wird die Seh­ne im Be­reich des Ris­ses ent­we­der durch spe­zi­el­le Naht­tech­ni­ken (z. B. Grif­fel­schach­tel­plas­tik) oder durch Ein­ar­bei­tung von zu­sätz­li­chem kör­per­ei­ge­nem Seh­nen­ma­te­ri­al ver­stärkt (z. B. Plan­taris-lon­gus-Plas­tik) Die Nach­be­hand­lung er­folgt eben­falls in der Un­ter­schen­kel­or­the­se für 6 Wo­chen.

Haupt­kom­pli­ka­ti­on beim of­fe­nen Ein­griff ist die Wund­hei­lungs­stö­rung mit mög­li­cher In­fek­ti­on. In der Li­te­ra­tur wer­den Ra­ten um die 3 - 5% an­ge­ge­ben. Beim of­fe­nen Ein­griff ist die Ra­te an Re­rup­tu­ren und der Kraft­ver­lust am Ge­rings­ten.

Aus­wahl des Be­hand­lungs­ver­fah­rens

Bei der Wahl zwi­schen kon­ser­va­ti­ver und ope­ra­ti­ver Be­hand­lung soll­ten die sport­li­chen An­sprü­che des Pa­ti­en­ten be­rück­sich­tigt wer­den. Er­fah­rungs­ge­mäß wei­sen ope­ra­tiv ver­sorg­te Achil­les­seh­nen ei­ne hö­he­re Be­last­bar­keit und so­mit ein nied­ri­ge­res Ri­si­ko für ei­nen er­neu­ten Riss (= Re-Rup­tur) auf. Zu­dem ist die Funk­ti­ons­fä­hig­keit (z. B. die Ab­sprung­fä­hig­keit) nach ei­ner OP oft bes­ser, be­son­ders hin­sicht­lich ho­her An­sprü­che (im Leis­tungs­sport). Beim mi­ni­mal-in­va­si­ven Ver­fah­ren ist das Ri­si­ko ei­ner Wund­hei­lungs­stö­rung mi­ni­miert. 

Trotz­dem ist die kon­ser­va­ti­ve Ver­sor­gung für äl­te­re oder we­ni­ger ak­ti­ve Leu­te ei­ne sehr gu­te Al­ter­na­ti­ve, da sie für nor­ma­le Be­las­tungs­an­sprü­che eben­falls gu­te Er­geb­nis­se auf­weist.

Nachbe­hand­lung

Nach der Ope­ra­ti­on le­gen wir bis zur ge­si­cher­ten Wund­hei­lung ei­ne Kunst­stoff­schie­ne für 7-10 Ta­ge an. Dann er­folgt die Wei­ter­be­hand­lung im Un­ter­schen­kel-Wal­ker ("Va­coped"). Im Wal­ker wird für 4 Wo­chen ei­ne Spitz­fuß­stel­lung ein­ge­stellt, die­se wird in der 5. und 6. Wo­che pos­tope­ra­tiv auf die Recht­win­kel­stel­lung re­du­ziert. Nach den ers­ten 4 Wo­chen mit Teil­be­las­tung kann auf Voll­be­las­tung im Wal­ker über­ge­gan­gen wer­den.
Ab der 7. Wo­che pos­tope­ra­tiv kön­nen nor­ma­le Schu­he ge­tra­gen wer­den. Für ei­ni­ge Wo­chen ist ein Fer­sen­keil von 1 cm im Schuh sinn­voll. Dann kommt Kran­ken­gym­nas­tik und evtl. Lymph­drai­na­ge zur An­wen­dung. We­gen ei­ner häu­fig län­ger an­hal­ten­den Schwel­lung kann noch ei­ni­ge Wo­chen ein Un­ter­schen­kel­kom­pres­si­ons­strumpf ge­tra­gen wer­den.

Trai­ning auf dem Fahr­ra­der­go­me­ter ist jetzt mög­lich. 3-4 Mo­na­te pos­tope­ra­tiv kann mit Lauf­trai­ning be­gon­nen wer­den. Die vol­le Be­last­bar­keit der Seh­ne z.B. für Fuß­ball ist erst 6-9 Mo­na­te pos­tope­ra­tiv ge­ge­ben.
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